3 River Kwai/ Sai Yok - Nationalpark
1 Einleitung
"Thailand? Soso. Und du fährst alleine? Aha!!" Nein, die zumeist unausgesprochene Unterstellung konnte mich nicht schrecken. Der Sex-Tourismus hat dem Ruf Thailands geschadet. Man tut dem Land aber schwer unrecht, wenn man es allein auf ein Reiseziel für diese zwielichtigen Gestalten reduziert. Thailand hat viel zu bieten: Einen lauten, geschäftigen Moloch wie Bangkok, prächtige Tempel, liebliche Landschaften, Spuren einer großen Vergangenheit, freundliche Menschen und wunderschöne Inselparadiese. Zudem sind viele Gegenden von Touris kaum besucht.
Ich unternahm die Reise im Oktober 2003. Sie führte mich von Bangkok bis in den hohen Norden Thailands in das Dreiländereck Thailand-Burma-Laos und wieder zurück in den Südosten des Landes. Gebucht hatte ich die Tour bei Rainbowtours, der Veranstalter war Semmy's - Tours in Pattaya/ Thailand.
2 Bangkok
Nach angenehmem Flug mit einem strategisch günstigen Zwischenstopp in Istanbul kam ich mittags in Bangkok an. Bereits auf dem Flug verfolgte mich der etwas schmuddlige Ruf Thailands: "Thailand? Very cheap girls!", meinte mein Sitznachbar, ein Australier. Auf meine spöttische Frage, woher er dies denn wisse, folgten die erwarteten Ausflüchte: "Habe ich bloß gehört...", "Liest man doch überall...".
In Bangkok angekommen, mußte ich erst einmal die extreme Luftfeuchtigkeit verdauen. Erinnerungen an Bombay letztes Jahr kamen auf. Auf was hatte ich mich da nur eingelassen?
Nachdem ich mich von dem Schock erholt hatte, wurde ich von unserem Guide, einem Thailänder, abgeholt und zum Hotel gefahren. Da er mehrere Jahre in Österreich verbracht hatte, sprach er gut Deutsch. Er stellte sich im Laufe der Reise als lustiger Vogel heraus, immer gut gelaunt und für jeden Scherz zu haben.
Im Hotel angekommen, genoß ich erst einmal die kühle Klimaanlage und ein von zu Hause mitgebrachtes warmes Bierchen.
Anschließend wagte ich mich zu einem ersten kurzen Ausflug in den Großstadtdschungel. Was würden die ersten Worte sein, die man mir zurufen würde? "Taxi, Sir?", "Something to drink, Sir?" oder "Postcards, Sir?" waren meine Favoriten. Doch dann schallte mir ein "Do you want a girlfriend, Sir?" aus dem Munde einer süßen kleinen Thailänderin entgegen. Moralische Bedenken, die westliche Zivilisation, die freiheitlich-demokratische Grundordnung und viele Jahre guter Erziehung halfen mir, ein freundliches, aber entschlossenes "No, thanks!" zu äußern.
Freundlicher Tipp für alle Hobby-Raucher: Als ich bei meinem ersten Ausflug eine Zigarette auf dem Bürgersteig entsorgte, fiel mir auf, daß zwar aller möglicher Unrat auf dem Bürgersteig oder an der Straße lag, aber nirgendwo eine Kippe.
Abends klärte uns unser Guide dann auf: Es ist bei Strafe verboten, Zigaretten einfach wegzuwerfen. Ich meine mich erinnern zu können, daß die Strafe bei etwa 80 Euro lag. Also Vorsicht, man muß das Gehalt der Polizeibeamten ja nicht unbedingt aufbessern. Eine nicht mehr gebrauchte Filmdose ist ein idealer Reisebegleiter, nicht nur in Thailand!
Abends traf sich dann unserer Reisegruppe zum ersten Male: Sechs Leutchen aus Nordrhein-Westfalen und dem Schwabenlande, beseelt von dem Gedanken, das Land zu entdecken.
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Hauptstadt Thailands mit ihren offiziell 6,3 Millionen Einwohnern.
Zunächst ging es zum prachtvollen, gut gepflegten Königspalast. Neben so manch einem Touri waren hier auch viele Einheimische auf Besichtigungstour.
Drei durchgeschwitzte T-Shirts später wechselten wir das Gefährt und stiegen vom Bus auf ein Longtail-Boot um. Mit ihm schipperten wir durch einige der unzähligen Kanäle Bangkoks.
Longtail-Boote sind in Thailand lange, schmale Boote mit einem Außenbordmotor. Die Schraube ist dabei durch eine lange, bewegliche Stange mit dem Motor verbunden. Gelenkt werden die Boote durch schwenken der Stange. Die Boote machen einen heiden Lärm, was bei Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h nicht verwunderlich ist.
Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, besichtigten wir noch
weitere Tempel und Pagoden, unter anderem den liegenden Buddha mit seiner Höhe von etwa 15 Meter.
Zum Abschluß der Stadtrundfahrt bogen wir nach China-Town ab und erforschten einen Markt und einen chinesischen Tempel.
Der chinesische Markt war eine Welt für sich. Um zu verstehen, was hier vorsich ging, muß man als Chinese geboren sein! Man sieht nach links, und bewundert fremdartige, wohlriechende Speisen, dann schaut man nach rechts, und es kommt einem ein übelriechender Geruch entgegen. Dreht man sich dann erschrocken zur Seite, sieht man irgendwelche unappetitliche Insekten oder Würmer in der Pfanne brutzeln. In der Luft, an Fäden aufgehängt, kommen einem Hühnerkrallen oder lebend halbierte, noch zuckende Fischhälften entgegen. Die Augen der Fische schreien direkt ihre Qualen heraus. Und Hygiene: Die gibt es kaum. Überall liegen Schlachtreste, Hühnerkot oder einfach nur Dreck rum.
Dieses faszinierend-erschreckende Spektakel war nichts für zart besaitete...
Abends machte ich mich dann auf dem Weg zum Hard Rock Cafe Bangkok. Das T-Shirt lockte!
Dem Tuk-Tuk-Fahrer konnte ich dabei aber nur mit Mühe beibringen, daß ich wirklich nur ein Bierchen trinken wollte. Er hätte sich zu gerne eine Provision von einem sündigen Hause verdient.
Im Pub angekommen, kam ich schnell ins Gespräch mit einem Einheimischen und seiner deutlich jüngeren Freundin. "But I'm only her fatherfriend", meinte er traurig-lachend zu mir.
Langsam wurde ich aber stutzig. Selbst er als einheimischer Geschäftsmann verstand es nicht, daß ich mir noch kein Mädel gemietet hatte, zumal ein durchaus reichhaltiges Angebot im Cafe zur Verfügung stand bzw. saß.
Tuk-Tuk-Fahrer und Ortskenntnis:
Um vom Hard Rock Cafe in mein Hotel zu kommen, schnappte ich mir ein Tuk-Tuk, die thailändische Variante einer Motorrad-Rikscha. Nachdem ich dem Fahrer die Visitenkarte meines Hotels gezeigt hatte, waren wir uns schnell bezüglich des Fahrpreises handelseinig. Dann ging die Reise auch schon los, zu meiner Überraschung aber in entgegengesetzter Richtung. Wohin würde mich der freundlichen Tuk-Tuk-Fahrer bringen? Als es dann auch noch durch einige dunkle Nebenstraßen ging, wäre dies ein Grund gewesen, langsam unruhig zu werden. Aufgrund der Happy Hour im Hard Rock Cafe, die mich dazu verleitet hatte, das eine oder andere Bierchen mehr zu trinken als ursprünglich geplant, blieb ich jedoch gelassen. Als mein Gefährt dann aber in einer dunklen Seitenstraße zum Stillstand kam, wurde es mir dann doch etwas mulmig. Dann löste sich aber doch alles in Wohlgefallen auf! Mein Fahrer zeigte meine Hotel-Visitenkarte einigen anderen an der Straße stehenden Tuk-Tuk-Fahrern, und diese mußten ihm dann erst einmal den Weg beschreiben.
Wie mein Chauffeur aber ohne Kenntnis des Ziels auf den ausgehandelten Fahrpreis kam, blieb mir ein Rätsel. Wahrscheinlich war es mit meinen Verhandlungskünsten an diesem Tage nicht so gut bestellt, und er hätte mich für die ausgehandelte Summe auch an das entgegengesetzte Ende der Stadt gebracht.
3 River Kwai/ Sai Yok - Nationalpark
Frühmorgens gegen 06:30 Uhr nahmen wir Abschied von Bangkok. Der heutige Tag sollte uns nach Nordwesten nahe der Grenze zu Burma führen.
Kurz hinter Bangkok machten wir einen ersten Zwischenstopp. Ein Longtail-Boot nahm uns auf, und fuhr uns durch einige Kanäle bis zu einem Floating Market. Marktfrauen in kleinen Holzbooten boten allerlei Waren feil.
Dann ging es weiter zum River Kwai.
Der River Kwai ist durch den Film "Die Brücke am Kwai" weltberühmt geworden. Im 2. Weltkrieg war die ganze Region von Japanern besetzt, und die Brücke hatte große strategische Bedeutung.
In dem Film wird ihr Bau durch hauptsächlich englische Kriegsgefangene erzählt. Leider verharmlost der Film die damaligen Verhältnisse in extremer Weise, wie eine Gedenkstätte in der Nähe beweist. Das Klima, Malaria, viel zu wenig Nahrung und übermäßige Anstrengung führten zum qualvollen Tode sehr vieler Gefangener. Hinzu kam die unmenschliche Behandlung der Männer durch die Japaner.
Die große strategische Bedeutung der Bahnstrecke und der Brücke war auch den Amerikanern bekannt, so wurden Bahnstrecke und Brücke regelmäßig von ihnen bombardiert. Die Gefangenen mußten dann anschließend alles wieder aufbauen.
Das heute als "Brücke am Kwai" bekannte Bauwerk ist genau genommen nicht die Originalbrücke. Diese wurde kurz vor Ende der japanischen Besatzung endgültig zerstört. Dies tut der Beliebtheit des Baus bei in- und ausländischen Touristen aber keinen Abbruch.
Auch so mancher ehemaliger Kriegsgefangener kommt zum Gedenken an diesen Ort.
Wir erreichten die Brücke gegen Mittag. Nach einem kurzen Stopp fuhren wir mit der Eisenbahn über die Brücke und folgten anschließend noch einige Stationen der sogenannten Todesstrecke, die z.T. noch im Originalzustand ist.
Nach einer kurzen Stärkung ging es dann auf den letzten Teil unserer heutigen Strecke in den nahe gelegenen Sai Yok - Nationalpark. Wir quartierten uns in einem Hausboot ein und genossen ein wenig Ruhe und Entspannung.
Dann stand duschen auf dem Plan. Wir trafen uns an der Bar der Hausboote-Anlage, die auf einem Ponton angelegt war. Anschließend wurde zu unserer Überraschung der gesamte Ponton von einem Boot zu einem Wasserfall gezogen und dort derart fest gemacht, daß ein Teil von ihm vom Wasserfall getroffen wurde. Bei gemütlichem Schnaps trinken, eine Spezialsorte gegen Moskitos, wie uns augenzwinkernd erzählt wurde, konnte man sich so nach Herzenslust unter dem Wasserfall abkühlen.
Ein abwechslungsreicher Tag näherte sich seinem Ende...
...aber er war es noch nicht! Nachts setzte ich mich vor unser Hausboot und genoß die Ruhe. Rascheln vom Nahe gelegenen Ufer, oder planschendes Wasser, in dem sich das eine oder andere Kleingetier vergnügte, erregten meine Aufmerksamkeit. Sehr interessant waren auch gelegentliche Toilettengeräusche, deren Ergebnisse kurze Zeit später an mir vorbei schwammen...
4 Nakorn Sawan/ Phrae
Nun wendeten wir uns endgültig Richtung Norden. Der erste Zwischenstopp in der Region Lopburi führte uns zu einem Affentempel. Die Affen gelten hier als heilig und können sich entsprechend unbehindert bewegen. Dies führt dazu, daß sie hier in Scharen zu finden sind und sie sich zu sehr aufdringlichen Gesellen entwickelt haben.
Nachdem wir uns vor den Affen retten konnten, führte uns die Fahrt, u.a. auch mit dem Boot, zum Nachtmarkt von Nakorn Sawan, den wir in aller Ruhe durchschlenderten. Dann wurden wir mit eigenartigen Fahrzeugen in unser Hotel gebracht.
Neulich in der Disco: Unser Guide wollte uns unbedingt einen Pub und die hiesige Großdisco zeigen. Da er sich inzwischen als Schlawiner herausgestellt hatte, hätte mich das stutzig machen müssen. Meine innere Stimme sagte mir auch: OK, den Pub, aber dann verabschiede dich! Leider hörte ich nicht auf sie...
Als wir die schon sehr volle und anscheinend nur von Inländern besuchte Disco betraten, ging er schnurstracks bis zur Bühne vor, an der "zufällig" noch ein Tisch frei war. Dann ging die Bühnenshow auch schon los. Bei mitreißend lautem Thairock, live von der Bühne gespielt, genossen wir unseren Whisky. Als Hauptact trat eine rassige Schönheit mitsamt Gruppe auf, die eine wirklich tolle Show abzog. Wir staunten nicht schlecht, als uns mitgeteilt wurde, daß dieses Mädel in Wirklichkeit gar kein Mädel war!
Zwischen den einzelnen Acts trat eine Art Pausenclown auf, der das Eine oder Andere zum Besten gab. Während einer dieser Pausen ging plötzlich das Licht aus, und ein Scheinwerfer strahlte in Richtung unseres Tisches. Um genau zu sein: Nicht in Richtung unseres Tisches, sondern genau auf mich. Nichts gutes ahnend, drehte ich mich zur Bühne um, und tatsächlich, ich war gemeint. Bei laufendem Mikrofon verwickelte er mich in ein Gespräch: "What's your country?", "What's your Football-Team?", usw.. Er kannte sogar einige Spieler von der einzig wahren Borussia, nämlich der aus Dortmund. Dann ließ er mich wieder in Ruhe, und ich konnte mich wieder dem Whisky und der Musik widmen.
Während einer weiteren Pausen ging plötzlich abermals das Licht aus, und ein Scheinwerfer strahlte in Richtung unseres Tisches. Um genau zu sein: nicht in Richtung unseres Tisches, sondern wieder genau auf mich. Böses ahnend, drehte ich mich zur Bühne um, und tatsächlich, ich war wieder gemeint. Dieses Mal bat der Pausenclown mich auf die Bühne! "Was tun?", schoß es mir durch den Kopf. Feigling sein und ablehnen, oder mutig sein, und sich zum Deppen machen? Der Whisky und der Glaube an das Gute im Menschen halfen mir bei meiner Entscheidung, und ich kletterte auf die Bühne. Es war schon merkwürdig, dort vor Hunderten, wenn nicht gar 1-2 Tausenden zu stehen, und von ohne Ende Scheinwerfern angestrahlt zu werden. Es war aber harmlos. Er verwickelte mich nur in ein Smalltalk, und machte den einen oder anderen harmlosen Scherz in Thai auf meine Kosten. Als mir die Sache dann aber doch zu bunt wurde, verabschiedete ich mich kurz, und sprang locker-elegant von der doch recht hohen Bühne.
Wieder bei meinem Whisky angekommen, nahm ich mir vor, beim nächsten Discobesuch vorsichtiger zu sein!
Am nächsten Morgen ging es erst um 10:00 Uhr los, der Eine oder Andere hatte so die Möglichkeit, die Folgen des Whisky-Missbrauchs abzumildern.
Zunächst führte uns unser Weg nach Sukhotai. Dort mieteten wir Fahrräder und erkundeten mit ihnen die dortigen alten Tempelanlagen. Dabei hatte ich erstmals etwas mit den Folgen des hiesigen Essens zu kämpfen, es blieb aber Gott sei Dank bei einem flauen Magengefühl.
Dann fuhren wir weiter nach Phrae, das wir am frühen Abend erreichten.
5 Nordthailand
Die nächste Station unserer Reise war Chiang Rai hoch im Norden Thailand, am Dreiländereck Thailand-Burma-Laos.
Nachdem wir unser Gepäck in unserem Quartier deponiert hatten, ging es zu einem Ausflug nach Mae Sai, der Grenzstadt zu Burma im äußersten Nordzipfel von Thailand, und nach Sop Ruak, dem Dreiländerpunkt im Herzen des Goldenen Dreiecks.
In Mae Sai, der geschäftigen alten Schmugglerstadt, ließ ich mich durch die unzähligen kleinen Geschäfte treiben. Das Angebot an allen möglichen Krimskrams, aber auch an technischen Produkten, war beeindruckend. Alle Weltfirmen waren vertreten. Aber was davon ist echt, und was ein Imitat? Gibt es hier überhaupt Originale?
Zu gerne hätte ich einen Fuß auf Burma gesetzt. Leider konnte man ein Kurzvisum nur einige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums bekommen. Die Möglichkeit schied also aus Zeitgründen aus.
Dann kam mir ein Gedanke: Eine Brücke führt über den Grenzfluss. Vielleicht würde die Grenzkontrolle erst auf der anderen Seite des Flusses sein, und ich könnte zumindest einen Meter burmesischen Boden betreten. Ich machte mich auf den Weg, immer auf der Hut vor einem einschreitenden Grenzbeamten. Dann machte ich eine unerfreuliche Entdeckung: Die Straße, von der ich annahm, sie führe mich zu meinem Ziel, machte am Fluß plötzlich eine Biegung und überquerte ihn nicht. Ich hatte den falschen Weg gewählt! Aus der Traum, zumal man die richtige Brücke nur mit gütigen Papieren betreten durfte, wie ich später feststellte.
Nun ging es nach Sop Ruak, dem Örtchen inmitten des Goldenen Dreiecks. Wer jetzt aber zwielichtige Gestalten und opiumrauchende Bauern erwartet, liegt falsch. Zumindest, was die thailändische Seite angeht. Wir sahen nur kleine, saubere Ortschaften und gepflegte Häuschen. Keine Spur von irgendwelchen Schmugglern.
In einigen Bergdörfern soll es sie aber noch geben!
Wir stiegen auf ein Longtail-Boot und rasten den Grenzfluß entlang. Dann legten wir an einer laotischen Insel an. So hatte ich anstatt Burma wenigstens Laos betreten. Es blieb noch Zeit, eine Postkarte zu schreiben, und einen Schnaps zu trinken. Da in dem Schnaps aber ein Tigerpenis eingelegt war, verzichtete ich schweren Herzens.
Bei untergehender Sonne ging es wieder zurück nach Thailand und nach Chiang Rai.
Am nächsten Morgen stand Trecking auf dem Plan. Traditionsgemäß auf dem Dach eines Pickups fuhren wir zum Ausgangspunkt der Bergwanderung. Nach etwa 2 1/2 Stunden Aufstieg erreichten wir ein Bergdorf, in dem wir die Nacht verbringen wollten.
Im Gegensatz zu den meisten Bergdörfern, in denen der gemeine Touri übernachten kann, stand hier kein Kiosk zur Verfügung. Auch ein Hard Rock Cafe wurde von mir schmerzlich vermisst.
Die Dörfler führen ein einfaches, bescheidenes Leben, jeder besitzt nur das Nötigste. Das gelegentliche Zubrot durch Touri-Besuche kommen in eine Art Dorfkasse.
Den Nachmittag nutzte ich zu Streifzügen durch das Dorf und dessen Umgebung.
Nachts dann sah ich meine Stunde kommen! Hinter vorgehaltener Hand hatte ich erfahren, daß einige Damen des Dorfes ein florierendes Geschäft betrieben: Sie boten feinfühlige Massage an.
Nach dem Abendessen entfernte ich mich zusammen mit einem Gleichgesinnten von meiner Gruppe, und besuchte ihre Räumlichkeiten. Da der Preis recht günstig war, mietete ich für einen Euro gleich zwei Damen an. Bei schummriger Dunkelheit ließen wir uns von ihnen verwöhnen.
Freunde, welch böse Gedanken treiben euch? Es war traditionelles Thai-Kneten, und ein weiteres Zubrot für das Dorf. Aber angenehm war es...
Kinder sind unerbittlich: Friedlich in Gedanken versunken genoß ich etwas abseits des Dorfes den Sonnenuntergang. Dann war es mit dem Frieden und der Ruhe vorbei: Eine Horde Kinder lief wild gestikulierend und schreiend auf mich zu. Was war geschehen? War ich überhaupt gemeint? Offensichtlich schon, denn sie winkten mir zu und riefen "Sir, Sir, Mister...". Dann wurden sie sogar handgreiflich, und versuchten, mich zurück in das Dorf zu ziehen. Da sie auch mit ihren Fingern immer wieder auf das Dorf zeigten, und keine Ruhe gaben, gab ich widerwillig nach. Schnellen Schrittes, sie schienen es sehr eilig zu haben, folgte ich ihnen.
Im Dorf angekommen, dann die Ernüchterung: Sie hatte nicht erfahren, was für ein netter Kerl ich sei, und wollten mir ihr Dorf zeigen oder mit mir Fußball spielen. Nein, unser Abendessen war fertig, und unser Guide versprach allen Kindern des Dorfes Süßigkeiten, wenn sie mich suchten und zurück zum Dorf brächten. Ich weiß nicht, wie lange sie suchten, aber sie erreichten ihr Ziel, und zur Belohnung gab es einen Berg voll Süßigkeiten.
Der folgende Morgen begann mit einem besonderen Schmankerl: Per Elefant ging es an den Abstieg. Wer hat die Bilder nicht im Kopf? Die von den Maharadschas, die sich gemütlich und komfortabel von prachtvollen Elefanten in wiegenden Schritten in die Paläste bringen lassen, während orientalische Schönheiten ihnen Luft zu wedeln.
Es gibt aber auch die etwas rustikalere Art, wie wir feststellen mußten. Wir saßen auf harten Holzbänken, welche zahlreiche blaue Flecken zur Folge hatten. Zudem waren die Bänke nach vorne hin nicht gesichert. Da man sich, wenn ein Elefant bergab geht, öfters in fast senkrechter Position befindet, führte dies aufgrund des krampfhaften Festhaltens auch noch zu Muskelkater.
Nach etwa zweistündigen Abstieg erreichten wir dann das von mir sehnsüchtig erwartete Tal, und die Tortur hatte ein Ende gefunden. Zum Glück war die Bank meines Elefanten fest verzurrt, so daß ich, im Gegensatz zu anderen Mitgliedern meiner Reisegruppe, auf das zweifelhafte Vergnügen einer auch noch seitlich etwas herunterhängenden Bank verzichten durfte.
Anschließend ging es mit einem Longtail-Boot und unserem Bus nach Chiang Mai, der "Rose des Nordens".
Unterwegs kamen wir noch an einer Prozession vorbei. In Thailand gibt es keine Kirchensteuer. Das Geld, das für den Erhalt von Tempeln benötigt wird, spendet u.a. die Gemeinde. Schön verziert und mit allerlei Beigaben versehen wird es in einer Prozession zum Tempel gebracht. In eine solche Prozession gerieten wir.
Flugs wurde Halt gemacht, und wir mischten uns unter das Volk.
Nun hatten wir einen vollen Tag Zeit, Chiang Mai und seine Umgebung zu erforschen. Zunächst besichtigten wir eine für diese Gegend typische Orchideenfarm. Dann ging es zum Maesa Elefant Camp. Dieses Camp, in dem angeblich Arbeitselefanten ausgebildet werden sollen, entpuppte sich aber als eine Mischung aus Zoo und Zirkus. Ich empfand es als eher uninteressant.
Nachdem wir dann noch einige Handwerksbetriebe besichtigt haben, stand der Rest des Tages zur freien Verfügung. Ich nutzte einige Stunden zur Entspannung und gedachte Postkarten schreibend den Lieben daheim. Abends machte ich mich dann auf dem Weg zum bekannten Nachtmarkt von Chiang Mai und ließ mich durch die Gassen treiben.
Ein Angestellter einer Schneiderei in Chiang Mai wollte mich von den Vorzügen eines maßgeschneiderten Anzugs überzeugen. Der arme Mann konnte ja nicht wissen, daß meine Vorliebe für Anzug, Hemd und Krawatte in etwa so groß ist wie die eines Frosches für Autoreifen!
Seine Liebesmüh' war vergebens. Stattdessen erstand ich für 2,50 Euro ein "Hard Rock Cafe Chiang Mai" - T-Shirt. In Chiang Mai gibt es zwar gar kein Hard Rock Cafe, aber das T-Shirt macht sich gut!
6 Phitsanulok/ Ayutthaya
Bei leichtem Dauerregen besichtigten wir am nächsten Morgen den Wat Phra That Doi Suthep, den wichtigsten Tempel im gesamten Norden Thailands. In seinem Inneren wird eine Reliquie Buddhas aufbewahrt.
Der Tempel liegt auf einen Berg 1000 Meter oberhalb von Chiang Mai, und die Aussicht von dort auf die Stadt soll phantastisch sein. Dies kann ich aber nicht bestätigen, die Aussicht war miserabel.
Vielleicht lag dies aber auch nur am Regen und am Nebel, durch den man Chiang Mai kaum sah.
Nun ging es entgültig wieder Richtung Süden. Ein erster Stopp bot uns die Möglichkeit, einen wirklich interessanten Markt zu erkunden. Das Angebot dort war breit gefächert: Früchte, CDs, gegarte Würmer, Kleidung, gebrutzelte Insekten, Geschirr, Touristenkrimskrams - sprich: Alles, was das Herz begehrt.
Nachmittags blieb dann noch Zeit, einen am Wege liegenden Tempel zu durchstreifen. Der wievielte Tempel war dies eigentlich während unserer Reise? Dieser Tempel war an Farbenvielfalt auf jeden Fall kaum zu überbieten, man kann auch sagen, er war einfach nur bunt. Das Besondere: Er war kein Zeugnis alter Geschichte, sondern neuester Bauart und z.T. auch noch nicht fertig gestellt.
Am frühen Abend erreichten wir dann die Provinzhauptstadt Phitsanulok.
Freundliche Kellner und freundschaftliche Tipps: Mit einem Teil meiner Reisegruppe machte ich es mir in der Karaoke-Bar unseres Hotels gemütlich. In dieser Bar waren zwei Kellner beschäftigt. Da wir die einzigen Gäste waren, hatten diese genügend Zeit, sich über unseren sich in Karaoke übenden Guide lustig zu machen. Aber auch wir kamen auf unsere Kosten: die Beiden waren nämlich stockschwul, und tuntiger, als es erlaubt sein sollte. Da sie aber auch über sich selber lachen konnten, war der Heiterkeit keine Grenzen gesetzt. Es kam mehr als einmal vor, daß ich prustend vor Lachen an die frische Luft flüchtete, um mich wieder zu erholen...
Während einer dieser Lachkrampfpausen folgten mir auch unser Guide und der Musiker der Bar. Schnell kam unser Gespräch auf das leidige Thema 'rent a girl'. Nachdem auch der freundliche Musiker mit Kopfschütteln zur Kenntnis nahm, daß ich mir noch kein Mädel gemietet hatte, gab er mir den Tipp, dies schnellstmöglich nachzuholen. Dann ging unser Guide noch einen Schritt weiter und wollte mich mit einer Angestellten des Hotels verkuppeln, die "zufällig" ebenfalls erschienen war. Sie spräche sogar ein wenig Englisch, sodaß wir uns auch etwas unterhalten könnten! Ich lehnte freundlich ab, aber meine Verteidigungsbastion war inzwischen in Auflösung begriffen.
Wer weiß ob sie noch gehalten hätte, wenn das Mädel etwas mehr nach meinem Geschmack gewesen wäre...
I can feel the devil walking next to me! (aus: "One night in Bangkok", Murray Head)
Der folgende Tag führte uns nach Ayutthaya, der alten Königsstadt Thailands 50 Kilometer nördlich von Bangkok.
Von 1350 bis 1767 war Ayutthaya die Hauptstadt des alten Siam-Reiches, solange wie keine andere ehemalige Hauptstadt. 1767 wurde Ayutthaya dann während eines Vernichtungsfeldzuges Burmas fast vollständig zerstört. Da die meisten Gebäude aus Holz bestanden, wurde fast alles ein Opfer der Brände, die von den Burmesen gelegt wurden. Seit dieser Zeit klafft ein riesiges Loch in der thailändischen Geschichtsschreibung, da fast alle historischen Aufzeichnungen vernichtet wurden.
Wir erreichten Ayutthaya am frühen Nachmittag und streiften einige Stunden durch die Ruinen.
Leider ist mein Film, den ich zu dieser Zeit verwendete, verloren gegangen, sodaß es keine eigenen Fotos aus dieser Zeit gibt. Bitter, bitter...
7 Ko Samet
Die letzte Etappe meiner Thailand-Reise war angebrochen. Über die Außenbezirke von Bangkok fuhren wir nach Rayong und setzten mit der Fähre nach Ko Samet über. Dort angekommen, quartierten wir uns in unsere Bungalows im Malibu Resort auf der Südostseite der Insel ein.
6 Kilometer mißt das kleine Eiland im Golf von Thailand nur, und an der schmalsten Stelle ist sie nur etwa 400 Meter breit. Laut Reiseführer besitzt die Insel 15 malerische, von Palmen umsäumte Buchten. Bei Hochwasser sollen einige aber nur noch Badetuchgröße haben. Da ich am zweiten Tag Hochwasser hatte, konnte ich feststellen, daß der Vergleich wortwörtlich zu nehmen ist.
Bis vor Kurzem galt die Insel noch als Geheimtipp, inzwischen ist sie aber gut besucht und an Wochenenden geradezu übervölkert.
Für mich war Ko Samet auf jeden Fall zu voll, ich hatte mir alles etwas ursprünglicher vorgestellt. Aber was soll man machen, es gibt schlimmeres als fünf Nächte in einem Südseeparadies zu verbringen.
Ich nutzte den Aufenthalt zum Relaxen, durchstreifte die Winkel der Insel, genoß die urigen Strandbars, und ließ den lieben Gott einen guten Mann sein.
Leider hatte ich nicht immer das beste Wetter.
Schwitzen bei Nacht: An meinem letzten Abend auf Ko Samet wollte ich meinen Magen, der inzwischen vollständig auf thailändische Speisen trainiert war, langsam wieder auf westliche Köstlichkeiten umstellen. In einer Strandhütte bestellte ich daher einen Hamburger mit Pommes. Da traditionell zu diesem Mahl Ketchup zur Verfeinerung genutzt wird, bediente ich mich reichlich von der Ketchup-Flasche, die auf dem Tisch stand. Dann genoß ich die erste Pommes...
Hölle, nicht jede Flasche mit rotem Inhalt ist eine Ketchup-Flasche, wie ich schwitzend feststellen mußte. Tapfer befreite ich soweit wie möglich die Pommes von der roten Soße und versuchte, das Essen noch zu genießen. Mit reichlich Flüssigkeit gelang mir dies dann auch leidlich.
Das Zauberwort im Vorfeld lautet in Thailand "mai phet", soll heißen: nicht scharf. Aber wie fragt man eine einsame Flasche? Und warum soll man fragen, wenn man sich sicher ist, Ketchup vor sich stehen zu haben?
Dann war es soweit, das Gespenst der Rückfahrt stand vor der Tür. Ich packte meine Sachen und fuhr über Pattaya, wo ich einige Stunden Aufenthalt hatte, zurück nach Bangkok.
In Pattaya hatte ich Gelegenheit, die Auswüchse des Sex-Tourismuses pur zu erleben. Einen Biergarten neben dem Anderen, dazwischen Massagesalons und rot flackernde Etablissements. Und Leutchen laufen dort rum, ich hatte Probleme, nicht prustend zu Lachen. Peinliche Opis in Lederklamotten oder ähnlichen Grauslichkeiten, die sich mit Hilfe von Viagra und ihren Geldbatzen für Casanova halten.
Auf der Fahrt nach Bangkok saß ich neben einem typischen Vertreter der Sextouristen-Gattung. Da er mich für einen Gleichgesinnten hielt, kam er ins Reden: Er müsse am Flughafen noch Seidenstoff für seine Frau kaufen. Er hatte sie, eine Thailänderin, zu Hause gelassen, um sich in Pattaya zu vergnügen. Mit seiner Familie habe er sich schon lange zerstritten, niemand wolle etwas mit ihm zu tun haben. Warum wohl?
In Düsseldorf am Flughafen angekommen, hatte ich das Schicksal eines fast jeden männlichen Alleinreisenden zu ertragen, der aus Südostasien kommt. Ich wurde gründlich gefilzt. Sogar meinen Buschhut, den ich trug, mußte ich anheben. Zum Glück hatte ich das Stück Koralle, welches ich an einem Strand auf Ko Samet gefunden hatte, im letzten Moment zurückgelassen.
Eine leere Filmdose, die ich immer als Taschenaschenbecher verwende, erregte die besondere Aufmerksamkeit des Zollbeamten. Zigarettenasche sieht halt sehr verdächtig aus!
Letzte Änderung: 11.07.07